Die Geschichte der KG Treuchtlingen von 1951 bis 1969

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg war ein gewisser Nachholbedarf an Aktivitäten von Vereinen notwendig, die sich in den verschiedensten Darstellungen niederschlugen. So haben vor fast 60 Jahren einige frohe und beherzte Bürger der Stadt Treuchtlingen die Karnevalsgesellschaft im damaligen Cafe „Aurnhammer“ aus der Taufe gehoben. Es war die Geburtsstunde der KG Treuchtlingen und als Geburtshelfer fungierten Rudi Jakob, Eugen Leidel, Toni Krejci, Michael Benker und Georg Groher. Ihnen zur Seite standen noch weitere 10 Gründungsmitglieder wie Herr Hans Mayer, Herr Josef Seyfart und Herr Willi Meier.

Herr Seyfart war auch der erste Prinz in der Session 1951 an seiner Seite Prinzessin Erika I. mit Nachnamen Lautner. Die Vorläufer waren 1937 und 1938 Hans Pfeifer und Luise Mührl sowie Hans Riedmeier mit Maria Ziegler. War schon damals das Pflänzchen Fasching oder Karneval im werden? Wir wissen es nicht – allerdings ist von Hans I. Riedmeier ein Foto in unserem karnevalistischem Fundus als Beweis. Nach unserer Recherche muss sich die Gründung der KGT im Januar 1951 vollzogen haben, da sich bereits die KGT in der Session 1951 in aller Pracht darstellte und zwar als Karnevalsgesellschaft Treuchtlingen und nicht als Faschingsgesellschaft. Das mag daran gelegen haben, dass man die Stadt Treuchtlingen als Diaspora bezeichnen kann, die durch den Zuzug von Einwohnern aus allen Ecken des deutschsprachigen Raumes geprägt war und daher das Wort Karneval einführten.

So wie der Beginn mit viel Schwung und Humor war der zweite Anlauf für die Session 1951/1952 bereits auf Sparflamme gesetzt, denn es gab in diesem Jahr kein Prinzenpaar. Die gleiche Misere traf dann den Verein in der Session 1953/1954. Diese beiden Sessionen plätscherten einfach so dahin.
In der Session 1952/1953 war ein Höhepunkt der Gesellschaft zu verzeichnen; nämlich die Teilnahme am Nürnberger Faschingszug. Das große Gefolge bestand aus dem Prinzenpaar mit Hofdame, den Präsidenten, Elferrat (7-10) und doch schon eine ansehnliche Prinzengarde (11). Die Teilnahme erfolgte mit einem Miniaturzug des Bahnbetriebswerkes Treuchtlingen der deutschen Bundesbahn.
Nach diesem Erfolg hat dann die Bundesbahn in der Session 1954/1955 erstmals ihren Sambazug nach Treuchtlingen geschickt und einige von uns können sich an diese Samstage im Fasching erinnern, wenn 500 Gäste nach dem Besuch der Stadthalle sich früh um fünf verabschiedeten und singend zum Bahnhof marschierten. Die KG war jedes Mal Gast bei diesen Veranstaltungen mit großem Gefolge. Diese Sambazüge wurden von der Bahn bis weit in die sechziger Jahre durchgeführt und „spukten“ ihre Gäste auch in Solnhofen und Pappenheim aus.

Der erste Treuchtlinger Faschingsorden entstand für die Session 1954/1955, der damals im Siebdruck bei der Firma Pröll gefertigt und per Hand ausgemalt wurde. Den Entwurf zu diesem Orden und noch viele andere für die weiteren Sessionen hat kein anderer als unser hochgeschätzter Rudi Jakob erstellt. Rudi war auch bekannt für die Gestaltung der Stadthalle im Fasching und für die im Sommer stattfindenden Volksfestumzüge. Orden der KG gibt es bis zum Gründungsjahr, die im Treuchtlinger Museum besichtigt werden können.

Damals in den fünfziger Jahren erfolgte die Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister nicht im Rathaus sondern bei der Inthronisation des Prinzenpaares. Diese Inthronisation wurde in bestimmten Gastronomiebereichen wie Beispielsweise im Cafe Stegmeier oder in der Bahnhofsgaststätte beim „Selinger“ durchgeführt.

In der Session 1955/1956 waren entgegen anders lautender Berichte in den Chroniken sehr wohl karnevalistische Akzente in Treuchtlingen zu verzeichnen – gab es doch in den festlich dekorierten Stadthallesälen den Stadtball, ESV –Ball, Gesangsvereinsball, Ball des Sambazuges, Gewerbevereinsball, ADAC-Ball und den Fischerball in der Bahnhofsgaststätte und den Ball der Landsmannschaft im Bayrischen Hof so wie eine kleine Karnevalssitzung in der Brauereigaststätte Roth. Weiterhin wurden von der KG alle Kappenabende in den Gaststätten besucht. Ferner fuhr eine Mondrakete auf dem Bahnbetriebswerk incl. Blaskapelle umher und die „Bahnerer“ feierten Fasching bei – 16°C. Die Karnevalisten verabschiedeten sich mit einem großen Faschingskehraus in der Stadthalle und im Bayrischen Hof um anschließend im Cafe Stegmeier pünktlich um 11.11 Uhr ihre Ämter niederzulegen. Der große Faschingszug am 12. Februar 1956 musste wegen der großer Kälte ausfallen.
In der Session 1956/1957 erscheint erstmals der Faschingskalender „Treuchtlingen 1957″ der Vorgänger des „Truchtelinger Narrenbotens“ der als Nachfolger des Faschingskalenders ab 1971 bis heute erscheint. Im Faschingskalender 1957 sind 42 Veranstaltungen nur in Treuchtlingen verzeichnet. Der Verein hat nach fünfjährigem Bestehen 60 Mitglieder, davon 29 Aktive, die Humor, Frohsinn und Heiterkeit in unserer Stadt verbreiten sollen. Der Stadtball wurde zum Festball der KG aufgestuft. Die Inthronisierung des Prinzenpaares und der Stadtschlüsselübergabe durch Bürgermeister Herrn Hans Döbler fand in den Stadthallensälen statt. Alle großen Vereine sind wegen des vehementen Zuspruches im Fasching in die Stadthalle umgezogen.

Die KG hält außer ihren drei obligatorischen Sitzungen im kleinen Stil, erstmals in den Bahnhofsgastätten eine öffentliche Prunksitzung ab, die zum vollen Erfolg wurde. Gleichzeitig wurde an diesem Abend um 11.11 Uhr die Veranstaltung durch das Weiberregiment erstmals übernommen; Es war Weiberfasching der 28.02.1957.

Die KG Treuchtlingen nimmt erstmals am Volksfestzug mit einem Wagen teil. Bis heute ist die KG immer beim Volksfestzug mit einem Wagen vertreten.

Treuchtlingen wurde bereits in Franken als ein Bollwerk des fränkischen Faschings im südlichsten Teil von Mittelfranken bezeichnet. Dies war auch der Grund, dass am 11.11.1957 der Landespräsident der fränkischen Karnevalsgesellschaften, Herr K. Habicht erschienen ist, um dem Treuchtlinger Karneval für die Session 1957/58 viel Erfolg zu wünschen. Allerdings stellte damals die KG nur den Prinzen Otto ohne Prinzessin vor! Am 11. Januar konnte Prinz Otto dann seine Prinzessin Christine I. beim ersten Sturm auf das Rathaus vorstellen. Hofstaat, Elferrat und Prinzengarde zwangen damals den Bürgermeister die Stadt unter die Hoheit des Prinzenpaares zu stellen. Die Inthronisation und die Schlüsselübergabe erfolgte am Abend beim Festball. Bei 47 Veranstaltungen waren 38 Aktive und 16 Senatoren im Einsatz. Langsam mausert sich der Festball der KG zu einem Schwarz-Weiss-Ball per Excellence. Diese Session wird nicht nur Seitenweise im Treuchtlinger Kurier gewürdigt, sondern weit über die Stadtgrenzen hinaus; Besucher kommen aus nah und fern. In diese Zeit fällt die Gründung des Landesverbandes Franken im Bund Deutscher Karneval deren Mitglied die KG heute noch ist.
Die Faschingssession 1958/1959 wirft ihre Schatten voraus. Erwähnenswert der Festball in den Stadthallensälen mit Inthronisation und großer Prunksitzung (zu Gast in Treuchtlingen Hans I. mit der Narrhalla München). Große Fasernachtssitzung im Bayrischen Hof und trotz klirrender Kälte fand der große ,,Fasernachtsumzug“ mit tausenden Besuchern statt. Erwähnenswert, dass alle Gaststätten an diesem Tag ihre Pforten geöffnet hatten.
Für die Session 1959/1960 gab es das erste Ordensfest der KG in Treuchtlingen im „Grünen Baum“. Eine Devise bei den damaligen Oberen der Karnevalsgesellschaft war, dass man sich einen Orden zuerst verdienen musste, bevor er überreicht wurde, denn dies sollte eine Auszeichnung sein und pfleglichst behandelt werden. Die große Prunksitzung wurde erstmals in der Stadthalle abgehalten, die vor allen Dingen mit eigenen Aktiven vor ausverkauftem Haus gefahren wurde. Ein Mann der ersten Stunde, Schorsch Groher (Ehrenpräsident der KG) verstarb gegen Ende des Jahres 1960 und konnte daher das bevorstehende 10-jährige Jubiläum der KG nicht mehr mitfeiern.
Mit einem Jubiläumsorden der weit über Treuchtlingen hinaus Beachtung fand, wurde die Session 1960/1961 mit einem großen Ordensfest zum 10-jährigen Jubiläum eingeläutet. Die Schlüsselübergabe der Stadt erfolgte wie bereits vor zwei Jahren im Rathaussaal. Die Auffahrt des Hofstaates erfolgte im Beisein von hunderten von Zuschauern. Der Festball und die große Prunksitzung waren wie alle Veranstaltungen karnevalistische Höhepunkte. Die ersten freundschaftlichen Bande entstanden mit Nürnberger Gesellschaften wie zum Beispiel der Muggnesia mit ihren Präsidenten H. Stengel und der Nürnberger Trichter KG.

Aus kleinen Anfängen entwickelte sich die KG zu einer im ganzen Frankenland angesehenen Gesellschaft. Dem ist aus heutiger Sicht nichts hinzuzufügen.

Die Session 1961/1962 lief toll an und als Höhepunkt ist zu berichten, dass der damalige Bundespostminister Richard Stücklen zu Gast war, der einige Jahre später zum Ehrensenator der KG ernannt wurde. Die Generalversammlung 1962 warf ihre Schatten voraus. Der langjährige 1. Vorsitzende Michael Benker und der verdienstvolle Präsident der Gesellschaft Ferdl Gebhardt stellten zum Leidwesen Aller ihre Ämter aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung. Bei der Wahl wurde Rudi Jakob zum 1. Vorsitzenden und Fritz Straube zum Präsidenten gewählt. Die Vorgänger wurden zum Ehrenvorsitzenden und zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Unter neuer Führung lief die neue Session 1962/1963 so an, wie die vergangene aufgehört hat, nämlich mit einem Riesenaufgebot an Aktiven und Veranstaltungen in nah und fern.
1963/1964 nimmt das Prinzenpaar mit kleinem Gefolge am Europäischen Prinzentreffen in Salzburg teil. Weiterhin wird berichtet, dass die Sambazüge nach wie vor Treuchtlingen anfahren, allerdings unter dem neuen Namen „Twister – Fahrt ins Blaue“. Die erste Gemeinschaftssitzung mit der Muggnesia Nürnberg läuft in der Stadthalle als Große Prunksitzung über die Bühne.
Im Jahre 1965 wurde das Treuchtlinger Karnevalslied geboren, das vom aktiven Alfons Fuest getextet wurde. Übrigens stammen weitere Lieder und Gedichte von Prinz Willi I. und Schatzmeister Willi Meier. Erwähnenswert ist noch, dass die KG mit großem Gefolge 1965 beim Empfang des Oberbürgermeisters Dr. Urschlächter in Nürnberg die Treuchtlinger Farben vertreten hat.
In der Session 1965/1966 wurde ein erneuter Wechsel der Vorstandschaft vollzogen. Nunmehr ist Rudi Aurnhammer Präsident der KG. Noch im gleichen Jahr wird Fritz Straube 1.Vorsitzender. Rudi Jakob ist nach wie vor der Motor, der sowohl für die Ausschmückung der Stadthalle sorgt und den Orden der KG gestaltet.

In den Sessionen 1965/1966, 1966/1967, 1967/1968 und 1968/1969 fehlen Vorgaben aus der Chronik, da sich in dieser Zeit eine gewisse Faschingsmüdigkeit breit machte, von der in erster Linie die Aktiven der KG befallen waren. Jedoch brachte ein kleiner harter Kern die KG über den Berg. Es ist jedoch zu erwähnen, dass die örtlichen Vereine wie ESV, ADAC, Alpenverein und Fischerverein ihre Veranstaltungen zum Höhepunkt des Treuchtlinger Faschings machten und dies auf Jahre hinaus. Die KG war manchmal nur ein gern gesehener Gast dieser Veranstaltungen. Die KG führte in diesen Sessionen nur drei bis vier eigene Veranstaltungen im Jahr durch.

Im Jahre 1967 wurde erstmals wieder der Kehraus in eigener Regie in den Bahnhofsgaststätten veranstaltet. Erwähnenswert ist trotz allem das Heringsessen am Aschermittwoch, bei dem bis zu 100 und mehr Leute teilnahmen, Rosel und Willi Meier waren die Köche dieses Fischessens auf einige Jahrzehnte.
Bei der Generalversammlung im März 1969/1970 in der Stadthalle hätte bald die Schicksalsstunde der KGT geschlagen, denn es wurde heiß über das Fortbestehen der KG diskutiert bis sich Theo Messingschlager bereit gefunden hat, die Karnevalsgesellschaft Treuchtlingen als 1. Vorsitzender zu übernehmen. Seine Amtszeit dauerte 20 Jahre und mit einem Präsidenten wie Rudi Aurnhammer, konnte nichts schief gehen. Es gab aber sehr viel zu tun. Es mussten Elferräte gefunden und die Prinzengarde aufgebaut werden (es waren zu diesem Zeitpunkt nur fünf übriggeblieben). Der geplante Rekordfasching in 1970 wird teuer, denn ,,Rekorde kosten Geld“ und Geld war leider nicht verfügbar. Gönner und Sponsoren halfen der KG den Rekordfasching auf die Beine zu stellen. Was wäre ein Verein ohne Freunde, Gönner und Sponsoren und natürlich den eigenen Aktiven mit Ihrem Einsatz. Ein Dankeschön von Herzen an Alle, die damals und auch heute die KGT unterstützen, sei es finanziell oder mit Naturalien oder ihrem persönlichen Einsatz. Ein Häuflein Aktiver machte sich auf den Weg nach Nürnberg um dort mit Gleichgesinnten Verbindung aufzunehmen und zwar bei einem uns bis dahin unbekannten Ed Fürnkäs, Präsident der Nürnberger Luftflotte. Dies war die Geburtsstunde der Doppelprunksitzungen der KG in Treuchtlingen, die noch einige Jahre in dieser Formation veranstaltet wurden. In dieser Session standen 11 Elfer mit Ersatzleuten bereit, eine Garde mit 24 hübschen Beinen um ihre Trainerin Renate Messingschlager, ein Prinzenpaar mit kleinem Hofstaat und ein impulsiver Präsident. Rathaussturm, Festball, Doppelprunksitzung, der erste große Rosenmontagsball der KG in der Stadthalle, Treffen der Faschingsnarren hinter der Lambertuskirche und abends Kehraus im schwarzen Bären, am Mittwoch Heringsessen im Cafe Stadlbauer, ferner wurden alle Faschingsveranstaltungen in Treuchtlingen besucht. Die Chronik berichtet weiter: Das Prinzenpaar Wolfgang II und Renate I nehmen als erstes Treuchtlinger Prinzenpaar beim Prinzenflug der Nürnberger Luftflotte teil. Anwesend war das Prinzenpaar aus Nizza, Frankfurt, Nürnberg und natürlich aus Treuchtlingen. Der Flug ging von Nürnberg über den Mont Blanc. Seit dieser Zeit nehmen die Treuchtlinger Prinzenpaare am traditionsreichen Prinzenflug der NLF teil. Die neu formierte Prinzengarde unter ihrer Trainerin Renate Messingschlager erreicht beim Gardetanzturnier in Bad Neustadt unter 26 Teilnehmern einen hervorragenden 6. Platz.