Mit dem Sturm auf den Rathausplatz ist die Regierungsgewalt nun in den Händen von Ehe- und KG-Prinzenpaar Görke, das mit seinem sogleich vorgestellten Regierungsprogramm für etliche Lacher und Beifall sorgte.
Minusgrade und leichter Schneefall bestimmen die Szenerie, als der kleine, von der Stadtkapelle angeführte Festzug zum Ort des Geschehens schreitet. Die Bläserklänge lösen die harten Beats aus den Bühnenlautsprechern ab und schmettern überraschenderweise ein paar Gospels der Marke „When The Saints Go Marchin’ In“ durch die kalte Winterluft. Ob die Narren wirklich Heilige sind?
Fragt sich vielleicht auch die Noch-Chefin des Rathauses, als sie aus einem Fenster ihrem Volk zulächelt, „das bald nicht mehr ihres ist“. Bevor sie zu ihm von der Bühne aus „ein allerletztes Mal“ sprechen darf, wie es der Präsident der Karnevalsgesellschaft (KG), Patrick Geiger, dort verordnet, der zugleich ihre schnelle Entschlossenheit lobt: „Man sieht, Sie kleben nicht an Ihrem Amt!“
Eine Aussage, die Becker bei ihrer Amtspremiere des Rathaussturms gekonnt aufgreift. „Eigentlich wollte ich mich wirklich festkleben“, erklärt sie. Sie habe es aus einem einfachen Grund gelassen: „Das sieht man vom Rathausplatz so schlecht.“ Sie sei aber froh, dass sie sich nicht habe vom Balkon abseilen müssen, wie es Amtsvorgänger Werner Baum einst vormachte.
Dem Prinzenpaar gibt sie für dessen Regentschaft schwere Aufgaben mit. Zum Beispiel das Füllen das Stadtsäckels. Da heiße es „dicke Bretter bohren“. Ob Stühle in der Stadthalle oder Stege über die Altmühl – handwerkliches Geschick sei auch ganz wörtlich gefragt. Die eigene Faschingsfähigkeit stellt das Prinzenpaar in seiner Antrittsrede unter Beweis.
So bemängelt seine Tollität den Verkauf der Firma Altmühltaler an Aldi Nord: „Unser gutes Tiefenwasser wird jetzt von Preußen getrunken. Da hätten es die Weißenburger gleich als WC-Spülung verwenden können – Ironie des Schicksals!“ Die Pläne der entthronten Rathauschefin für ihr „Energiewundermittel grüner Wasserstoff“ seien indes nichts Neues – es firmiere seit langem unter dem Namen „Wet“.
Erfolgreich habe sich Becker als Leiterin eines Motorsägenlehrgangs erwiesen mit dem Thema „Wie fälle ich einem Baum?“. Im Rathaus selbst will der neue Regent René I die Bürotemperatur weiter absenken – denn „im Kalten schläft man besser“. Ihrer Lieblichkeit Svenja schwebt ein Lichtkonzept für den Ziegelhüttenweg vor – zumindest aber Stirnlampen.
Für Wettelsheim favorisiere sie eine Grundschul-Mittagsbetreuung in der Turnhalle, was prompten Applaus nach sich zieht. Apropos Wettelsheim: Beim – ehemaligen – Ortsteil handle es sich nun um „die neue Hauptgemeinde“, proklamiert die Regentin.
Auch ein Anliegen von „Queen Mum“ kommt zu Gehör: Sie will einen eigenen Hundeplatz und eine großzügigere Verteilung der Hundetoiletten. „Umweltschutz und Bürgerschutz stehen bei uns ganz vorne!“, betonen Mutter und Tochter durch den Mund der Prinzessin.
Ihren „Lorbeerkranz“, den Becker bei ihrer Rede dank einer optischen Täuschung aufzuhaben scheint, verliert sie endgültig im Geschicklichkeitswettkampf mit den Tollitäten. Während Svenja I beim Tablett jonglieren sogar einen Limbo hinlegt, lässt die Entthronte ein paar Gläser purzeln. Beim Tischtennisballpusten über leere, kopfstehende Bierflaschen wiederum hat René I die Nase vorn.
Auszug aus dem Treuchtlinger Kurier vom 23.01.2023 / TK – Jürgen Leykamm