Die Karnevalsgesellschaft Treuchtlingen feierte Ihre 99. Prunksitzung und bot ein Programm, dass eines Jubiläums würdig war. Mehr als fünf Stunden lang jagte in der ausverkauften Stadthalle ein Höhepunkt den nächsten.

Schon der Auftakt begeistert: Die Garden warten im abgedunkelten Saal, als grelles Blitzen die Nacht zerschneidet. Eine Mischung aus Zoo- und Cabaret-Revue wirbelt über die Bühne, wozu es selbstbewusst aus den Boxen wummert: „This is the greatest show!“ Höher kann man die Messlatte nicht legen. Doch das Versprechen wird eingelöst, wie Präsidenten Patrick Geiger weit nach Mitternacht vom Publikum bestätigt bekommt: „Das war eine der besten Prunksitzungen überhaupt!“

Als Eisbrecher zaubert zunächst der Nachwuchs einen quirligen Hexentanz auf die Bühne. Die Kinderschautanzgruppe lässt die Besen kreisen – „CO₂-neutrale Fluggeräte, für die ein Schirmständer als Parkplatz reicht“, weist der Präsident den Weg zur Lösung Treuchtlinger Verkehrsprobleme. Gleich darauf heißt es Bühne kehren, damit die Tanzmariechen Clara Hoffmann und Valentina Stöhr nicht ausrutschen. Beide bestreiten ihre erste Session, ebenso wie das Mundeschenk-Duo Alex Strobl und Niklas Kobras-Zürrlein, das dem Elferrat Bier serviert und später zusammen mit Maxi Strobl den „Cupsong“ neu interpretiert. Der Präsident geht jedoch leer aus, denn „einer muss ja nüchtern bleiben“.

Nach der 19-köpfigen Kindermarschtanzgruppe rockt die Juniorengarde die Halle und einige Tänzerinnen werden für sieben Jahre Tanzaktivität geehrt. Und auch in der Prinzengarde finden sich Jubilarinnen: Meike Bürlein, Teresa Granelli, Vanessa Kaiser, Isabell Laumer, Maxima Müller, Hannah Renner, Maike Schöner und Chiara Solamoni machen der KGT schon seit elf Jahren alle Ehre. Peter Krämer und Ralf Lenik ernennt Präsident Patrick Geiger zu Senatoren.

Akrobatisch längst mit allen Wassern gewaschen ist Showmariechen Elena Avgoustis, die im Handstand spazieren geht und sich verbiegt, als hätte sie keine Knochen im Leib. Die Lachmuskeln strapazieren danach der singende Ehrenpräsident Waldemar Müller sowie Matthias Strauß und Leah Straßner als gefrustetes Treuchtlinger Ehepaar. Warum? Weil ein berüchtigter blonder Polizist aus Möhren (Roland Schmid) den Schlangenlinien fahrenden Gatten aufhält – dabei könne man doch dank der in der Altmühlstadt allseits beliebten Pflanzentröge gar nicht anders.
Kreativ sind die beiden auch beim Wassersparen. Baden oder Unterbodenwäsche fürs Auto? Der neue Brunnen auf dem Wallmüllerplatz ist universell nutzbar. Nur wen sie im März wählen sollen, wissen beide nicht. Den Eisenbahner Werner Baum, trotz ständiger Verspätungen der Bahn? Oder Narkoseärztin Kristina Becker, obwohl Treuchtlingen „eh so verschlafen ist“? Dass die Stadt angeblich ein Bordell an der Heusteige plant, macht die Entscheidung nicht leichter: „Die wollen den Verkehr aus der Stadt bringen“, so der Ehemann. Das mit den kurzen Wegen haben die Weißenburger allerdings besser drauf. „Rezatrömer“ wollen sie sein. Die Fahrt nach „Italien“ dauert so nur noch wenige Minuten, und „Dettenheim ist der Brenner“.

Für unabsichtliche Lacher sorgt Präsident Geiger, als er ihre Lieblichkeit mit „Prinz Jacqueline“ anspricht. Die aber weiß, was sie an ihrem echten „Prinzenröllchen“ Florian Kohler hat. Der ernennt seinen Bruder Christoph zum „kleinen Prinzen Chrissy I.“ und zeichnet die hoheitliche Näherin Dagmar Pössnicker aus. Damit sei auch die Frage des neuen Prinzenpaars geklärt, orakelt Geiger.
Während anschließend Stefania Bonfiglio mit einem italienischen Medley begeistert, entführen mehrere Altprinzen in die Disko auf dem Land. Sie toben sich zum „Märchenprinz“ aus, sodass das Publikum Tränen lacht. „Drogenberater“ und Altbürgermeister Wolfgang Herrmann therapiert derweil in der Bütt die kommunale Politprominenz, bevor Jacqueline ihren Florian bei der Henry-Maske-Hymne glatt k.o. schlägt. Es folgt ein „Glockenspiel“ der besonderen Art – Hüften schwingende Männer in kurzen Hosen. Junioren- und Prinzengarde setzen mit ihren Showtänzen noch eins drauf und entführen in die Welt von Harry Potter sowie ins burleske Nachtleben.

Und immer noch gelingt es, die Stimmungsschraube weiter zu drehen: Die „Kohler Brothers“ feiern ein Comeback und kalauern zur Melodie von „Über den Wolken“ über Saunatücher, unter denen „was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich niedlich und klein“ wird. Den Vogel schießt schließlich Entertainer Tobi van Deisner ab, der Raiba-Kreischef Wilfried Wiedemanns Frau Claudia mit aufs Luftballon-Motorrad nimmt und Andreas Stadelbauer zum „Reh“ macht, das dem Gefährt ausweichen soll. Der Künstler selbst verschwindet indes unter tosendem Applaus komplett im „größten Ballon der Welt“.

Auszug aus dem Treuchtlinger Kurier vom 17.02.2020 / TK- Jürgen Leykamm