Das Treuchtlinger Faschingsprinzenpaar Jacqueline und Florian Kohler verbindet mehr als nur das Amt mit der KGT

Wer Prinz Florian I. alias Florian Kohler kennt, kommt angesichts seiner Faschings-Vergangenheit zwangsläufig zum Schluss, dass er es war, der heuer endlich Tollität der Treuchtlinger Karnevalsgesellschaft (KGT) werden wollte. Doch die treibende Kraft war tatsächlich – neben den Überredungskünsten von Elferratspräsident Patrick Geiger – Kohlers Gattin und Prinzessin Jacqueline I. Wie es dazu kam, was Florians Uropa damit zu tun hat und was die Töchter Lina und Luisa von der „Adelung“ ihrer Eltern halten, erzählte die prinzliche Familie unserer Zeitung beim traditionellen Hausbesuch.

Der Fasching wurde insbesondere Florian Kohler quasi in die Wiege gelegt. Schon für seine Mutter waren die jährlichen Bälle und das Verkleiden „ein Heiligtum“, dessen Huldigung sich der heutige Prinz als Bub bald anschloss. Erwachsen geworden, trat er ab den 2010er Jahren zusammen mit Bruder Christoph und dem Treuchtlinger Unterhaltungsmusik-Urgestein Holger Maurer mehrfach als Comedy-Duo und -Trio bei den KGT-Prunksitzungen auf. „So bin ich da reingewachsen“, blickt der heute 34-Jährige zurück.

Vom Legostein zur Prinzessin
Mit seiner aus dem tristen Weißenburg zugezogenen Prinzessin Jacqueline („An Fasching hat’s da nix!“) ist Florian Kohler seit genau zehn Jahren verheiratet – was die beiden auch auf ihrem Prinzenorden verewigt haben. „Und da wollte ich dieses Jahr unbedingt nochmal in einem so schönen Kleid auftreten“, flachst die 33- Jährige. „Man fühlt sich darin wirklich wie eine Prinzessin. Wir sind schon früher immer mit den verrücktesten Kostümen zum VfL-Fasching gegangen – als Gießkannen oder Legosteine, sodass man sich nicht einmal richtig hinsetzen konnte“. Schon damals habe sie immer gesagt: „Wenn die vom Verein mal kommen, würde ich es machen.“
Ehemann Florians langjährige Antwort auf solche Träume: „So eine alberne Mütze ziehe ich nicht auf!“ Aber so richtig ernst meinte er es offenbar nicht. Denn als KGT-Präsident Geiger im vergangenen Herbst anrief, um „vorbeizukommen und einen Rat für die Prunksitzung einzuholen“, wusste der designierte Prinz genau, woher der Wind wehte. „Reicht das auch nach dem 11.11.?“, habe er gefragt. Natürlich reichte es nicht. „Da musst Du dann aber eine Menge Überzeugungsarbeit leisten“, warnte Florian den KGT-Chef.
So schwer war es dann aber nicht. Florians Ausrede, gerade erst eine Schulter-OP hinter sich und einen Jobwechsel vor sich zu haben, ließen weder Geiger noch die sich schon im Rüschenkleid sehende Jacqueline gelten – zumal sich später herausstellte, dass Florians neuer Vorgesetzter ebenfalls einst Faschingsprinz war.
Skeptisch war da eher noch Tochter Luisa. Nach einem ersten „Niemals! Ist ja voll peinlich!“ ließ sie sich doch noch mit der Aussicht ködern, dass Mama und Papa dann bei jedem ihrer Auftritte dabei wären. Die Siebenjährige tanzt nämlich seit drei Jahren in der Kinderschautanzgruppe der KGT, Schwester Lina (4) seit dieser Session bei den Bambini. „Na gut“, gab Luisa schließlich den Tollitäten ihren Segen. Zur Belohnung gab es für beide Geschwister dieselben, liebevoll von KGT-Schneiderin Dagmar Pössnicker gestalteten Prinzessinnenkleider wie für die Mama – nur in klein. Außerdem durfte Luisa beim Rathaussturm den Bürgermeister im Hula-Hoop-Wettstreit blamieren.

Gruppenbild nur mit Dame
Richtig schön finden die beiden Tollitäten, die nach einigen Umzügen seit drei Jahren im Wohngebiet „Winkel Süd“ leben, vor allem die Treuchtlinger Kinderbälle. „Es ist toll, wenn da die Kinderaugen funkeln“, schwärmt Prinzessin Jacqueline – und kann die Schadenfreude darüber nicht ganz verbergen, dass die Mädchen immer nur Erinnerungsfotos „ohne Prinz“ machen wollen.

Etwas seriöser geht es naturgemäß bei den Garden zu, die das Prinzenpaar ebenfalls bereits alle beim Training besucht hat. „Das ist echter Leistungssport“, zollt Florian den Tänzerinnen Respekt. Auch beim „Prinzenflug“ vor zwei Wochen habe er gemerkt, „dass die Treuchtlinger wirklich ernst genommen werden“.
Erheblich erleichtert wird den Tollitäten ihr volles Programm durch die Hilfe von Eltern und Geschwistern, etwa wenn die Kinder mal nicht mitkommen können. „Wir machen das aber mit Augenmaß, denn die Familie ist wichtiger“, betonen die Kohlers, die im „echten Leben“ als Erzieherin und Betriebswirt arbeiten. Und so gefällt ihnen ihr Amt auf Zeit inzwischen so gut, dass sie „spaßeshalber schon überlegt haben, ob wir nächstes Jahr nochmal anderswo Prinzenpaar machen“.

Und welche Rolle spielt nun Prinz Florians Urgroßvater Georg Groher bei alledem? Er war Gründungsmitglied der KGT und von 1951 bis 1952 erster Elferratspräsident. Davon erfuhr der Urenkel allerdings erst aus dem aktuellen „Narrenboten“. Grohers Sohn, Florians Opa, kommt nun mit 87 Jahren am 16. Februar spontan zur Familienprunksitzung, um seinen Enkel als Treuchtlinger Prinz zu sehen. Manchen liegt der Fasching eben wirklich im Blut.

Auszug aus dem Treuchtlinger Kurier vom 08.02.2020 / TK-Patrick Shaw